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2012

sakrij
14-04-2012

Hast du Kumpels, machst du Karriere

Meine Güte! Was haben wir doch für wache Geister in unserer Managementsünden-Gruppe! Ein ganz wacher hat mich jüngst auf eine neue, unter anderem vom Handelsblatt kommentierten Studie zur bitteren Wahrheit von Karrieren im Management aufmerksam gemacht. Da steht mehr oder weniger drin: Du willst Karriere machen? Dann vergiss Kompetenz, Erfahrung und Intelligenz.

Denn die Forscher fanden heraus, dass der wichtigste Einzelfaktor für Karriere ein guter Kumpel im einstellenden Unternehmen ist; wenn’s geht auf höchster Ebene. Leistungsgesellschaft? Dass ich nicht lache! Zumindest nicht im Management. Da wird nicht Leistung belohnt, sondern Vitamin K. Ist das gut oder schlecht? Ihr Tipp bitte!

Für den Karrierewilligen ist das prima facie gut. Auch fürs einstellende Unternehmen? Das Handelsblatt schreibt: „Die negativen Effekte der Vetternwirtschaft scheinen zu überwiegen.“ Unternehmen, die ihre Führungskräfte „besonders häufig aus dem Freundeskreis bereits amtierender Topmanager rekrutieren, sind im Schnitt etwas weniger profitabel.“ Warum? Was tippen Sie? Die Wissenschaftler tippen: „Zu intensive soziale Verbindungen scheinen zu Lasten der Gewinne zu gehen.“ Hier irrt die Wissenschaft.

Hier wird, so vermute ich, Korrelation mit Regression verwechselt. Dass in ländlichen Gebieten mit Storchennest auf jedem zweiten Kirchturm die Geburtenrate statistisch einwandfrei höher liegt als in Großstädten ohne Störche heißt dann wohl auch, dass tatsächlich doch der Storch die Babys bringt. Oder? Es ist doch wohl eher so: Wenn ich schon meine alten Kumpels ins Unternehmen holen muss, dann steht es um selbiges oft nicht gut bestellt. Die alten Kumpels helfen mir beim Turnaround. Ohne sie wäre der Gewinn noch schwächer!

Bevor ich ein unbeschriebenes Blatt einstelle, greife ich doch lieber auf einen alten Kumpel zurück, dessen Stärken und Schwächen ich aus eigener Erfahrung kenne. Denn im modernen Management gibt es keinen Error Margin: Zwei miese Quartale und du bist raus! Da setze ich doch lieber auf: Never change a winning team! Wenn ich früher mit dem Kumpel Ergebnisse gebracht habe, dann klappt das auch heute. Jedenfalls wahrscheinlicher und risikoärmer als auf den großen unbekannten Neuen zu setzen. Natürlich wäre eine "punktgenaue Selektionsdiagnostik nach Anforderungsprofil mit flankierendem, transfergesichertem Instant-Management-Development" noch besser. Aber ich wette, dass uns hier keine(r) zurückschreiben wird: Haben wir! Ich glaube, die Kritiker der Kumpanei verfallen dem naheliegenden Irrtum, dass ein Manager einen alten Kumpel nur deshalb einstellt, weil er ein alter Kumpel aber sonst eine Riesenpfeife ist – und dann nach zwei miesen Quartalen lieber (zusammen mit dem Kumpel) seinen Job verliert. Anscheinend stellt sich Lieschen Müller so modernes Management vor. Ich wünsche Lieschen Müller noch möglichst viele Lehmans und Wirtschaftskrisen oder ein VHS-Seminar. Damit es vielleicht mal merkt, wie Manager wirklich denken. Was denken Sie? In Bezug auf Ihre Karriereplanung?

Entschuldigung, das war eine Fangfrage. Denn was Sie denken, dass kann ich mir denken. Jeder Manager, jede Managerin wird an dieser Stelle sagen: „Ist mir schon lange klar, wie wichtig gute Connections fürs eigene Weiterkommen sind – sowohl in- als auch außerhalb des eigenen Unternehmens.“ Entschuldigung, aber das ist Quatsch. Das einem Menschen etwas „schon lange klar“ ist, nehme ich inzwischen nach leidvoller Erfahrung als untrügliches Indiz dafür, dass er das, was ihm/ihr da vorgeblich „schon lange klar“ ist, aber unter Garantie nicht wirklich/richtig/angemessen umsetzt – eben weil es ihm/ihr angeblich so klar ist. Das erfahre ich an fast jedem Tag der Woche.

Nehmen wir letzten Donnerstag. Da sitze ich beim Begleit-Coaching im Büro eines Bereichsleiters, der eine Studienkollegin von früher am Telefon mit den Worten vertröstet: „Du, gerne, aber jetzt nicht: Ich muss gleich in die IT, unser Server ist down!“ Bevor er den Hörer auf die Gabel legen konnte, fiel ich ihm in den Arm und sagte: „Sie sagen mir bestimmt gleich, dass Sie schon lange wissen, wie wichtig Connections sind. Was ist dieses Wissen wert?“ Zugegeben: ziemlich brutal. Aber viele Führungskräfte sind derart eingenommen von dem, was sie „schon lange“ zu wissen glauben, dass sie darüber das Entscheidende vergessen. Handeln. Er legte nicht auf. Er sagte: „Wenn ich’s mir recht überlege: Die IT kann auch noch zehn Minuten warten. Was hast du denn zu bereden?“ Wie sich herausstellte hatte das Unternehmen der Studienkollegin eben einen Mitbewerber gekauft und besetzte nun dessen Länderleitungen neu. Die Studienkollegin wollte wissen, ob der Bereichsleiter eventuell zur Verfügung stünde. Ich stellte mir vor, wie er stattdessen lieber in die IT gegangen wäre, weil er doch angeblich so gut weiß, wie wichtig gute Kontakte sind. Wo? In der IT? Ich wäre ganz froh, wenn Manager nur 20 Prozent dessen umsetzen würden, was sie schon lange wissen.

Das heißt nicht, dass Sie jetzt halbe Tage lang networken sollen. Dafür hat keiner von uns Zeit. Aber die kritischen drei Mal fünf Minuten täglich (Erfahrungswert) plus die Stunde strategisches Mittagessen oder Kaffeetrinken mit guten, alten, neuen oder potenziellen Kumpelinen und Kumpels ist schlicht Primärinvestition. Nur wer über so viel strategisches Gespür in eigener Sache verfügt, hat Karriere auch verdient. Oder was meinen Sie?

Ihr Klaus Schuster

"Kapitale Kumpels", Handelsblatt 16.2.2012 http://www.handelsblatt.com/politik/oekonomie/wissenswert/wissenswert-kapitale-kumpels/6219884.html


 
27-01-2012 XING-Gruppe "Managementsünden"

Von Verrätern

Während ich gerade die Leine für den Gassi-Gang mit dem Hund holen will, klingelt das Telefon: Abteilungsleiterin, 32 Jahre, Pharmaindustrie: „Ich kann seit Wochen nachts nicht mehr schlafen. Ich spüre, dass in meiner Abteilung etwas im Gange ist. Aber ich komme nicht dahinter.“ Mysteriös.


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03-01-2012 XING-Gruppe

Der E-Mail-Neander

Als der Dienstleister, 500 Mitarbeiter, Linienorganisation, das Ermittlerteam ruft, ist der Mord bereits im vollen Gang. Fraglich ist nur: Wer ist Opfer? Und wer ist Täter? Um die Positionen bewerben sich Meier, Berger, ihre beiden Abteilungsleiter und ein Vorstand. Meier arbeitet im Innendienst und schreibt Berger im Außendienst folgende Mail: „Sie haben die benötigte Produktbeschreibung immer noch nicht geliefert, obwohl die Frist dafür bereits letzte Woche ausgelaufen ist!“ In cc geht die Mail an beide Abteilungsleiter. Woraufhin Bergers Abteilungsleiter, zweiter Akt des Dramas, wutentbrannt seinen Kollegen vom Innendienst anmailt, Meier und Berger in cc: „Ich habe Ihnen schon hundertmal gesagt, dass Ihre Leute sich nicht bei uns einmischen sollen! Meine Mitarbeiter müssen sich auf den Verkauf konzentrieren und sonst auf gar nichts!!!“ Mit drei Ausrufezeichen. Es folgt der dritte Akt.


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